Andrea Agnes Annette Moll
Schriftstellerin auf dem Weg zu meinem ersten Buch ...

Emma und die Schreiberin ihrer Geschichte sitzen auf dem Balkon. Es hat geschneit und sie haben sich in ihre dicken Wolldecken gehüllt und schauen in den verschneiten Garten. Jede mit einer Tasse Kaffee vor sich.

Emma: „Andrea! Ich habe dich lange nicht in meiner Geschichte gesehen. Wann schreibst du sie endlich fertig?“

Andrea: „Emma, ja, ich weiß. Ich war beruflich mit anderen Themen beschäftigt und habe abends nicht mehr den Einstieg in deine Geschichte geschafft. Außerdem gibt es in meinem Leben nun eine wunderbare Veränderung.“

Emma: „Aha.“

Emma: „Ich höre.“

Andrea: „Wir haben wieder einen Hund.“ HerzcheninneAugenunddahinschmelz

Emma: „Ach, wie schön! Das wurde ja auch Zeit.“

Andrea: „Sagen wir mal so: Es sollte so sein.“

Emma: „Wie meinst du das?“

Andrea: „Es war eine Herzensentscheidung. Und es passte sofort. Als wir hier zuhause ankamen, war das so, als ob es noch nie anders war.“

Emma: „Woran hast du das gemerkt?“

Andrea: „Er hat sich sofort auf „sein“ Kissen gelegt, aus „seinem“ Napf gefressen. Zu Anfang hat er sich zwar vorsichtig durch die Wohnung bewegt, aber nicht so, als ob er hier fremd wäre …“

Emma: „… und was ist mit Greenie … sorry: Mit Miss Greenie?“

Andrea: „Er hat sie ignoriert und sie konnte sich in immer kleiner werdenden Bögen an ihn heran tasten. Das Schöne für die alte Dame: Sie kann in ihrem Körbchen liegen und ihn beobachten. Ihr Leben ist nicht mehr so eintönig. Denn andere Katzen mag sie ja zum Beispiel nicht.“

Emma: „Sie war ja auch gar nicht traurig, als dein Dicker gestorben ist.“

Andrea: „Sie war froh, dass sie das Reich wieder für sich hatte.“

Emma: „Und du? Bist du darüber hinweg?“

Andrea: „Ich trage die Erinnerung an ihn mit mir herum. Er ist und bleibt mein Schriftsteller-Kater. Nur ist er jetzt eben unsichtbar.“

Emma sagt nichts, nimmt noch einen Schluck Kaffee.

Andrea: „Ich vermisse ihn sehr, aber ich kann damit leben. Das Merkwürdige: Weißt du, dass er am 13. Februar vor einem Jahr gestorben ist? Und jetzt:  Fast genau ein Jahr später habe ich einen Hund.“

Beide schweigen.

Emma: „Das ist ein schöner Gedanke. Dein Hund – nicht als Ersatz für deinen Kater, aber so, als ob er dir geschickt wurde.“

Andrea: „Genau so empfinde ich es.“

Emma: „Und jetzt? Wie ist dein Leben jetzt?“

Andrea: „Er bringt mich zum lachen, wenn er erschrocken hochfährt, weil ich ihn auf der Couch erwischt habe. Es ist so schön zu merken, wie er jeden Tag mehr ankommt und Fortschritte macht. Es ist Entspannung und Ruhe in mein Leben zurückgekehrt. Es ist unglaublich wohltuend, wenn er nach einem ausgedehnten Spaziergang hier auf seinem Kissen liegt und schläft.“

Emma: „Und das bedeutet?“

Andrea lacht und prostet Emma mit der Kaffeetasse zu: „Ich werde deine Geschichte nun eifrig fortsetzen.“

Und nach einer kurzen Pause ergänzt sie noch: „Allerdings werde ich zwischendurch unterbrechen müssen, da einige Lesungen aus der HUMMELLIEBE anstehen. Darauf freue ich mich schon sehr.“

Emma: „Egal. Hauptsache, du schreibst meine Geschichte endlich weiter. Das ist nämlich wichtig, weißt du?“

Andrea: „Ja, weil es so wichtig ist, muss ich auch den Kopf frei haben. Und das habe ich nun: nach einem ausgedehnten Spaziergang mit Hund.“

Emma: „Ach, wie heißt er überhaupt?“

Andrea: „Herr Lehmann.“

Emma verschluckt sich an ihrem Kaffee und lacht, dass man es auf der Straße hören kann.

Emma: „Nicht dein Ernst! Hoppeditz war ja schon … ein komischer Name …“

Andrea: „Den Namen Herr Lehmann hatte er schon. Den Namen hat ihm jemand gegeben, der anscheinend so tickt wie ich. Ich finde, dass er gut zu ihm passt. Deshalb wollte ich den Namen nicht ändern. Und zu Miss Greenie passt auch ein Herr Lehmann.“